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Citeo und die erweiterte Herstellerverantwortung in Frankreich: was Online-Verkäufer wissen müssen

·6 Min. Lesezeit

Frankreich gehörte zu den ersten europäischen Ländern, die ein ausgereiftes System der erweiterten Herstellerverantwortung aufgebaut haben (auf Französisch REP, Responsabilité Élargie du Producteur). Für Haushaltsverpackungen ist die maßgebliche Öko-Organisation Citeo. Wenn du auf Shopify verkaufst und an französische Kunden versendest, machen dich auch hier die verwendeten Verpackungen melde- und beitragspflichtig.

Die gute Nachricht: Das französische System ist in vieler Hinsicht das geradlinigste der drei großen EU-Märkte: eine jährliche Meldung, alles online, und ein vereinfachter Weg speziell für kleine Mengen. Im Blick behalten sollte man: Ab dem 1. Juli 2026 tritt eine neue Sparte für gewerbliche Verpackungen (B2B) in Kraft, deren Melderegeln noch in Ausarbeitung sind. Gehen wir es der Reihe nach durch.

Wie die Verpackungs-EPR in Frankreich funktioniert

Der Mechanismus ist der klassische EPR-Ansatz: Wer Verpackungen auf dem französischen Markt in Verkehr bringt, beteiligt sich finanziell am System, das Sammlung und Recycling übernimmt. Citeo ist die Öko-Organisation, der Hersteller (einschließlich ausländischer Online-Verkäufer, die nach Frankreich liefern) ihre Verpackungen melden und den Öko-Beitrag zahlen.

Anders als in Deutschland gibt es keine doppelte Pflicht zwischen Register und privatem System: Die Beziehung ist über das Citeo-Portal zentralisiert.

Die Meldung ist jährlich

Die Periodizität ist in Frankreich jährlich. Zu Jahresbeginn meldest du die Verpackungen, die du im Vorjahr in Verkehr gebracht hast. Das ist ein entspannterer Takt als die potenziell quartalsweise oder monatliche Kadenz in Italien und Deutschland: eine einzige Meldung pro Jahr, im Nachhinein.

Das heißt nicht, dass die Arbeit verschwindet: Um korrekt zu melden, musst du das ganze Jahr über erfasst haben, wie viel Verpackung du versendet hast und welcher Art. Nur konzentriert sich der formale Schritt auf einen einzigen jährlichen Termin.

Die Maßeinheit: UVC

Das französische System denkt in UVC — Verbraucher-Verkaufseinheiten (auf Französisch UVC, Unité de Vente Consommateur). Im Kern ist es die Zahl der an den Endverbraucher verkauften Einheiten, jede mit ihrer Verpackung. Die Zählung in UVC bildet, neben den Gewichten je Material, die Grundlage für die Meldung und die Beitragsberechnung.

Für einen E-Commerce bedeutet das, nicht nur das Verpackungsgewicht zu verfolgen, sondern auch die Anzahl der Einheiten, die auf dem französischen Markt in Verkehr gebracht wurden — eine Größe, die sich natürlich aus den Bestellungen ergibt.

Wo gemeldet wird: der Espace Client

Wie in Italien wird in Frankreich keine Datei hochgeladen. Die Meldung erfolgt online über den Espace Client von Citeo, den geschützten Bereich des Herstellers. Das Portal enthält ein integriertes Assistenzsystem, das hilft, Fehler und Unstimmigkeiten beim Ausfüllen zu erkennen, und so das Risiko falscher Daten senkt.

Auch hier liegt der Wert eines Tools wie EPR Pack Report also nicht darin, eine Importdatei zu erzeugen, sondern darin, mit den richtigen Zahlen ins Formular zu gehen: UVC und Gewichte je Material, bereits aus den nach Frankreich bestimmten Shopify-Bestellungen berechnet.

Die Pauschale für Kleinproduzenten: 80 €

Das ist eine der interessantesten Eigenschaften des französischen Systems für kleinere Händler. Kleinproduzenten, die weniger als 10.000 UVC pro Jahr in Verkehr bringen, können sich für einen Pauschalbeitrag von 80 € entscheiden, mit einer vereinfachten Meldung, die in wenigen Klicks erledigt ist.

Übersetzt: Ist dein Versandvolumen nach Frankreich begrenzt, kannst du die detaillierte analytische Berechnung vermeiden und deine Lage mit einem festen Betrag und einem minimalen Verfahren regeln. Eine Erleichterung, die gerade verhindern soll, dass kleine Verkäufer von der Compliance abgeschreckt werden. Wichtig bleibt zu wissen, ob du über oder unter der Schwelle von 10.000 UVC liegst — ein weiterer Grund, die Einheitenzählung stets aktuell zu halten.

Die Neuerung im Blick: die REP emballages professionnels ab 1. Juli 2026

Es gibt eine wichtige regulatorische Entwicklung im Auge zu behalten. Ab dem 1. Juli 2026 tritt in Frankreich eine neue REP-Sparte für emballages professionnels in Kraft, also Verpackungen für den B2B-Kanal (business-to-business), die bislang anders behandelt wurden als Haushaltsverpackungen.

Zum Zeitpunkt der Prüfung sind die Melderegeln dieser neuen Sparte noch nicht vollständig definiert. Für alle, die auch an gewerbliche Kunden in Frankreich verkaufen, ist das eine Neuerung, die nach Inkrafttreten neu zu bewerten ist, vor allem falls künftig ein strukturiertes Importformat für die Meldungen entstehen sollte.

Unser Rat: Ist dein Geschäft überwiegend B2C (Verkauf an den Endverbraucher), bleibt das oben beschriebene Bild deine Referenz. Hast du hingegen einen relevanten Anteil B2B-Verkäufe nach Frankreich, notiere dir, die Aktualisierungen nach Juli 2026 zu prüfen.

Haushalts- und gewerbliche Verpackungen: die entscheidende Unterscheidung

Um einzuordnen, wo du stehst, hilft die Unterscheidung zwischen Haushaltsverpackungen — denen von Produkten für den Endverbraucher, historisch Citeos Bereich — und gewerblichen Verpackungen (B2B), dem Gegenstand der neuen Sparte. Für die große Mehrheit der Shopify-Shops, die an Verbraucher verkaufen, zählt der Haushaltsbereich: der Versandkarton, die Versandtasche, das Füllmaterial und die Produktverpackung, die beim französischen Kunden ankommt.

Ist deine Tätigkeit vollständig B2C, ändert sich das Bild mit der Neuerung von 2026 nicht; versendest du hingegen auch an gewerbliche Kunden, musst du dort die Aktualisierungen beachten.

UVC und Gewicht: zwei gemeinsam zu erfassende Größen

Ein oft übersehener Praxispunkt: In Frankreich reicht es nicht, das Gewicht der Verpackungen je Material zu kennen, du brauchst auch die Anzahl der UVC. Es sind zwei verschiedene Größen, die denselben Versandfluss beschreiben — wie viele Stücke du verkauft hast und wie viel deren Verpackung wiegt — und sie müssen das ganze Jahr über abgeglichen bleiben.

Sie im Dezember von Hand zu rekonstruieren, indem man Bestellungen und Gewichte aus verschiedenen Quellen zusammensucht, ist der einfachste Weg, mit unsicheren Zahlen in die Meldung zu gehen. Sie automatisch Bestellung für Bestellung zu erfassen und die nach Frankreich bestimmten Sendungen zu unterscheiden, beseitigt diese Arbeit kurz vor der Frist.

Die Sanktionen

Der französische Sanktionsrahmen ist im Code de l'Environnement geregelt. Die drei Hauptfälle für einen Online-Verkäufer sind:

  • Keine Mitgliedschaft bei einer Öko-Organisation (und damit Fehlen des IDU, der eindeutigen Kennung): Verwaltungsbuße bis zu 30.000 € (Art. L541-9-5).
  • Nicht gemeldete Mengen, die in Verkehr gebracht wurden: Verwaltungssanktion bis zu 7.500 € pro Tonne oder pro betroffener Produkteinheit (Art. L541-10-11).
  • Fehlen des IDU auf den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (CGV) oder den Vertragsdokumenten: Verwaltungsbuße bis zu 30.000 €.

Das allgemeine Prinzip gilt: Die Meldung ist eine Pflicht, und Nichterfüllung setzt dich Sanktionen aus, die sich bei nicht gemeldeten Mengen pro Tonne berechnen. Besser, den Prozess von Anfang an korrekt aufzusetzen und die jährliche Kadenz zu nutzen, um vorbereitet zu sein.

Zusammenfassung: Citeo auf einen Blick

AspektWie es in Frankreich funktioniert
Öko-OrganisationCiteo
PeriodizitätJährlich (Jahresbeginn, auf das Vorjahr)
BezugseinheitUVC — Verbraucher-Verkaufseinheit
Wie gemeldet wirdOnline über Espace Client — keine Datei zum Hochladen
Kleinproduzenten80-€-Pauschale unter 10.000 UVC pro Jahr, vereinfachte Meldung
B2B-NeuerungNeue Sparte emballages professionnels ab 1. Juli 2026 (Regeln offen)
SanktionenBis 30.000 € (keine Mitgliedschaft/IDU) · bis 7.500 € je nicht gemeldeter Tonne

Was jetzt zu tun ist

Wenn du nach Frankreich versendest, ist der Weg klar: bei Citeo registrieren, prüfen, ob du unter die Pauschale unter 10.000 UVC fällst, und die Erfassung von UVC und Gewichten übers Jahr organisieren, um für die jährliche Meldung bereit zu sein. Verkaufst du auch an den gewerblichen Kanal, behalte die neue B2B-Sparte ab Juli 2026 im Blick.

Verkaufst du in mehreren Märkten? Vergleiche die Regeln im vergleichenden EPR-Leitfaden für den Verkauf in mehreren EU-Ländern, oder vertiefe LUCID und VerpackG in Deutschland und CONAI in Italien.

EPR Pack Report berechnet UVC und Gewichte je Material aus deinen Shopify-Bestellungen und hält sie für die Eingabe im Espace Client bereit. Die Meldung und die rechtliche Verantwortung bleiben jedoch bei dir: Wir nehmen dir die manuelle Arbeit ab, nicht die Pflicht.

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